| Zukunft
der Informationssysteme in der Radiologie |
 |
A.o.
Univ. Prof. Dr. Erich Sorantin,
Abtlg. für Digitale Information und Bildverarbeitung,
Univ.-Klinik für Radiologie Graz
Die EDV
ist in der Radiologie bereits integraler Bestandteil. Ein Blick
in die zukünftige Entwicklung verspricht unter anderem einfachere
Bildakquisition und Dokumentation sowie neue Wege der Befundung
und der Visualisierung.
Die elektronische
Datenverarbeitung hat heute bereits jeden Bereich unseres Lebens
durchdrungen. Der Bogen spannt sich von der Telekommunikation bis
zur digitalen Datenübertragung und Bildbearbeitung. Zum Preis
eines Fernsehapparats bieten moderne Computer eine Rechenleistung,
wie sie einst teuren Großrechnern vorbehalten war.
In der Radiologie ermöglichen umfassende Softwarepakete Patientenadministration,
Befundschreibung, Abrechnung und vieles mehr. Nahezu alle radiologischen
Modalitäten sind heute entweder primär digital, wie bspw.
Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) und Digitale
Subtraktionsangiographie (DSA) oder digital verfügbar, wie
u.a. Ultraschall, konventionelles Röntgen und Durchleuchtung.
|
| Einheitliche
Standards |
| |
Da Forschung,
Entwicklung, Zertifizierung und Wartung sehr kostspielig sind, ist
die Zeit der Eigen- und Einzelentwicklung, wie sie vor zehn bis
fünfzehn Jahren noch üblich war, vorbei. Die Industrie
versucht vielmehr auf allgemein anerkannten Standards "aufzusetzen"
und durch Fusionen Know-how einzukaufen. Keine Firma würde
heute mehr ihr eigenes Netzwerk entwickeln. Microsoft Windows ist
heute sogar das Betriebssystem von CT- und MRT-Geräten, mit
der Folge auch auf den Untersuchungsgeräten mit Computerviren
konfrontiert zu werden.
Auf Seite der Netzwerktechnik werden in naher Zukunft weit höhere
Übertragungsgeschwindigkeiten zu geringeren Kosten zur Verfügung
stehen. Ausgelöst wird diese Entwicklung unter anderem durch
die "Consumer Industry". Neue Vermarktungsstrategien der
Unterhaltungsindustrie, wie bspw. "Video on Demand", benötigen
derartig hohe Übertragungsgeschwindigkeiten. Für die Radiologie
bedeutet dies unter anderem, dass Bildakquisition, Dokumentation,
Speicherung oder Nachverarbeitung problemlos zeitlich und örtlich
getrennt werden können. Die Industrie wird außerdem als
"Application Server Provider" neue Geschäftsmodelle
anbieten, die mit Ausnahme von Akquisition und Befundung jeden der
genannten Schritte gegen Entgelt übernehmen.
|
| Möglichkeiten
der Visualisierung |
| |
 |
Abb.
1: "Basilaris Tip Aneurysma" basierend auf einer
CT-Angiographie.
Abb.
2: Virtuelle Endoskopie des Dickdarms mit Polyp bei 12:00. |
|
|
| |
Die gestiegenen
Übertragungsgeschwindigkeiten in Verbindung mit enormen Rechenkapazitäten,
die für eine effektive Verschlüsselung genutzt werden
können, ermöglichen auch die Bild- und Befundtransmission
an den zuweisenden Kollegen. Moderne Untersuchungsgeräte, wie
bspw. die Mehrzeilen-CT, produzieren bereits eine dem menschlichen
Genom vergleichbare Datenmenge. Daher müssen neue Wege in der
Visualisierung gefunden werden. Wie in ersten Studien festgestellt
werden konnte, stellen 3D-Rekonstruktionen in "Realtime"
eine derartige Möglichkeit dar.
 |
 |
Abb.
3: Virtuelle Dissektion. Aus 700 Schichten rekonstruierter
Darm. |
|
| |
Für
eine Generierung von Bildern wie in Abbildung 1 ist eine Scanzeit
von 15 Sekunden und eine Nachverarbeitungszeit von 5 Minuten einzurechnen.
Die Verwendung der Perspektive, durch die nahe gelegene Objekte
größer als entfernte erscheinen, ermöglicht endoskopische
Untersuchungen von Körperhohlorganen wie Atemwege oder Dickdarm
zu simulieren (siehe Abbildung 2). Ein anderes Verfahren ist die
virtuelle Dissektion. Dabei wird, wie in Abbildung 3 zu sehen, bspw.
der Darm elektronisch aus dem Datenvolumen extrahiert, gestreckt
und entlang seiner Längsachse aufgeschnitten. Die gesamte Darmoberfläche
kann mit einem Blick, wie auf dem Pathologentisch, inspiziert werden.
 |
 |
Abb.
4: Automatisch von einem Programm detektierte Mikrokalkgruppen
einer Mammographie. |
|
| |
Systeme
der "Computer Aided Diagnosis" werden in Zukunft den Radiologen
beim Befund unterstützen. Abbildung 4 zeigt bspw. die von einem
Computerprogramm automatisch detektierten Mikrokalkgruppen einer
Mammographie. Eine Einschätzung der biologischen Dignität
kann auf Knopfdruck vom Computer abgerufen werden.
|
| Impingement:
Schmerzsymptomatik des Schultergelenks |
| |
Univ. Prof. Dr. Heinz Martinek,
Abteilung für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie,
Krankenhaus Krems
Das Impingement
wird meist durch degenerative Veränderungen von Knochen oder
Sehnen hervorgerufen. Als beste Diagnosemethode hat sich die Magnetresonanztomographie
(MRT) erwiesen.
In ungefährer
Übersetzung bedeutet Impingement "das Stoßen gegen"
und tritt meist im vorderen Teil des Schultergelenks unter der Schulterhöhe
auf. Dort befindet sich eine anatomische Enge, durch die wichtige
Sehnen, wie bspw. die Rotatorenmanschette oder die Bizepssehne laufen.
Durch pathologische Veränderungen kann dieser Raum noch weiter
eingeengt werden.
 |
 |
Beste
Methode für die Diagnose des Impingement der Schulter ist
die Magnetresonanztomographie. |
|
| Ursache
meist degenerative Veränderungen |
| |
Durch degenerative
Prozesse entstehen oft Knochenkanten und Sehnenverkalkungen. Der
normale Bewegungsablauf wird gestört. Schmerzen sind die Folge.
Eine weitere Ursache für ein Impingement kann eine Dezentrierung
des Oberarmkopfes sein. Die Sehnen der Rotatorenmanschette haben
die Aufgabe, den Oberarmkopf zu zentrieren und in der richtigen
Position zu halten. Durch einen Sehnenriss kann der Kopf nicht mehr
zentriert werden und gleitet meist nach vorne und teilweise aus
der Pfanne heraus. Dadurch kommt es vor allem bei der Vorwärtsbewegung
zu einem Anstoßen des Oberarmkopfes am Acromion.
Seit Neuem ist auch ein hinteres, oberes Impingement bekannt, das
vor allem bei jugendlichen Sportlern auftritt. Es entsteht durch
eine Auswärtsdrehung und ein Hochheben des Armes in der Schulter
(Wurfstellung). Teile der Rotatorenmanschette werden dabei am hinteren,
oberen Pfannenrand eingeklemmt.
|
| Befund-Objektivierung
und -Quantifizierung durch Bildgebung |
| |
Die klinischen
Symptome eines Impingements sind Schmerzen, insbesondere auch nachts,
ein Krachen oder Einklemmungen bei Bewegungen, eine Einschränkung
der Beweglichkeit und eine Schwäche des Armes in unterschiedlichem
Ausmaß. Das Impingementsyndrom lässt sich anhand von
klinischen Untersuchungsmethoden und bildgebenden Verfahren diagnostizieren.
Die bildgebende Diagnostik beim Impingement beginnt in der Regel
mit konventionellen Röntgenaufnahmen. Indirekte Zeichen des
Impingements werden dargestellt, fortgeschrittene Rupturen mit Humeruskopfhochstand
diagnostiziert und das Ausmaß einer Arthrose zur Ansicht gebracht.
Ein erfahrener und kritischer Untersucher kann zusätzlich mit
Hilfe der Sonographie Veränderungen der Weichteile (Rotatorenmanschette
und Schleimbeutel) feststellen.
|
| MRT
am besten für Diagnose |
| |
Die MRT
ist die aussagekräftigste und kompletteste Methode zur Diagnostik.
Für chirurgische Therapieentscheidungen sowie die dazugehörende
Operationsplanung ist auch die MR-Arthrographie in Betracht zu ziehen.
Sie erhöht die Genauigkeit bei diskreten Läsionen. Die
Treffsicherheit wird in der Literatur zwischen 89 und 98 Prozent
angegeben. Die Arthrographie ohne Ergänzung durch eine Schnittbildmethode
(CT oder MRT) spielt nur noch eine geringe Rolle bei der Abklärung
des Impingementsyndroms.
|
| Untersuchungstechnik |
| |
Bei der
Vermutung auf Impingement wird das Schultergelenk aufgrund des komplizierten
dreidimensionalen Aufbaues der angrenzenden Sehnen- und Muskelgruppen
in drei Schnittebenen untersucht: Transversale T2-betonte Bilder,
paracoronale T1-betonte und T2-betonte Bilder mit Fettunterdrückung
sowie parasagittale T2-betonte Bilder. Um eine optimale Bildqualität
zu erreichen, wird eine Oberflächenspule verwendet, das Untersuchungsfeld
auf den Bereich des Gelenkes eingeschränkt und eine hochauflösende
Bildmatrix verwendet. Das Gelenk und die umgebenden Weichteile sollen
dabei übersichtlich und klar dargestellt werden, um Signalveränderungen
der Sehnen und Schleimbeutel nachzuweisen, wie sie typischerweise
beim Impingementsyndrom vorkommen können. Die Injektion von
Kontrastmittel ist meist nicht nötig.
|
| Konservative
Therapie hat Vorrang |
| |
Primär
werden zur Therapie physikalische Maßnahmen, wie bspw. Wärme,
Massage, gepulster Gleichstrom, Dehnungsübungen etc., mit einer
medikamentösen Therapie aus nichtsteroidalen Antirheumatika
kombiniert. Bei etwa 70 Prozent der Fälle zeigt die Behandlung
Erfolg. Das Therapieergebnis hängt von der Ursache des Impingements,
dem Alter des Patienten und der Belastung des Armes ab. Erst nach
erfolgloser konservativer Behandlung wird der zu enge subacromiale
Raum operativ erweitert und die Situation im Bereich der Rotatorenmanschette
saniert. Meist wird beim Eingriff mit einer Arthroskopie begonnen,
bei Bedarf wird die Operation dann offen weitergeführt. Nach
der Operation sollte die Schulter einige Zeit ruhiggestellt bzw.
geschont werden. Die Dauer der Ruhigstellung hängt von der
Art der durchgeführten Operation ab. Bei einer Rotatorenmanschettennaht
beträgt sie etwa sechs Wochen. Unmittelbar nach dem operativen
Eingriff muss eine intensive physikalische Behandlung erfolgen.
Bei guter Indikationsstellung und sorgfältig durchgeführter
Operation kann bei etwa 85 Prozent der Patienten ein gutes Ergebnis
erwartet werden.
|
| |
Quelle: VBDO
Durchblick, Nr. 12, April 2004, S. 2 f. |
| |
|
| |
 |
| |
|