| HR-CT
der Lunge: Was, wie, wann und wann nicht |
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Von
Prim. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Mostbeck
Institut für Röntgendiagnostik, SMZ Baumgartner Höhe
Otto Wagner Spital |
Die hochauflösende
Computertomographie der Lunge (High-Resolution-CT bzw. HR-CT) spielt
eine zunehmend wichtigere Rolle in der Abklärung bestimmter
Lungenerkrankungen. Obwohl das konventionelle Lungenröntgen
in zwei Ebenen nach wie vor in der Erkennung und Charakterisierung
von Lungenerkrankungen unverzichtbar bleibt, können mit der
HR-CT der Lunge Nachteile des Lungenröntgens, wie die Überlagerung
anatomischer und krankhafter Strukturen, vermieden werden.
Die HR-CT
zeigt einen überlagerungsfreien, detailgenauen Querschnitt
der Lunge, ihres "Gerüstes" sowie der Luftwege und
Gefäße. Diese Detailgenauigkeit verbessert in manchen
Fragestellung die Diagnose von Lungen- und Atemwegserkrankungen
ganz wesentlich. In den vergangenen Jahren wurden die heute etablierten
Kriterien der Durchführung und Bildinterpretation der HR-CT
entwickelt, die mit weiterer Entwicklung der CT-Diagnostik kontinuierliche
Verbesserungen erfahren.
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| Was
ist HR-CT? |
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Man versteht
unter HR-CT die Kombination dünner CT-Schichten durch die Lunge
(1 bis 2 mm Schichtdicke), die in kurzer Schichtzeit (< 1 s )
mit hoher räumlicher Auflösung unter Anwendung spezifischer
Rekonstruktionsalgorithmen angefertigt werden. Das entscheidende
Kriterium der HR-CT ist die hohe räumliche Auflösung,
wobei die einzelnen Bildpunkte (Pixel) weniger als 1 mm Kantenlänge
aufweisen. Diese dünnen Schichten werden in aller Regel am
Patienten in Rückenlage beim tiefen Einatmen und Luft anhalten
angefertigt.
Dabei wird aber nicht wie bei der Spiralcomputertomographie das
gesamte Lungenvolumen untersucht, sondern diese dünnen Schichten
werden alle 1 bis 2 cm angefertigt, sodass die Strahlenbelastung
der HR-CT deutlich geringer ist als die der konventionellen Computertomographie.
Die HR-CT benötigt auch keine Kontrastmittelgabe. Es kann aber
notwendig sein, ergänzende Schichten am Patienten in Bauchlage
anzufertigen, um lageabhängige, normale Veränderungen
gegenüber krankhaften sicher zu unterscheiden. Ebenso werden
manchmal Schichten beim maximalen Ausatmen angefertigt, um das "Fangen
von Luft" in manchen Lungenabschnitten z.B. bei Bronchitis
oder Bronchiolitis zu erfassen. Dem Radiologen kommt daher bei dieser
Untersuchung wie überhaupt insbesondere in der Schnittbilddiagnostik
in der Untersuchungssteuerung direkt am Patienten ein entscheidender
Stellenwert zu.
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| Was
sieht man auf diesen dünnen Schichten? |
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Die HR-CT
ermöglicht die detailgenaue Beurteilung des Lungengerüstes,
des Tracheobronchialbaumes bis zur direkten Darstellung der Bronchien
der 8. Generation (die dann ca. 1 mm dick sind) und eine exakte
Beurteilung der Pleura.
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Abb.
1: 52-jähriger Mann mit Zustand nach Lungentuberkulose,
produktivem Husten und zunehmender Atemnot. a) Lungenröntgen:
Vermehrtes Lungenvolumen, Schwiele linker Oberlappen, große
dünnwandige Aufhellungen in beiden Lungen. Differentialdiagnose
Emphysemblasen, Zysten, Bronchiektasien? b) HR-CT: Ausgedehnte
Bronchiektasien (Erweiterungen der Bronchien) in beiden Lungen
("Siegelringzeichen"). |
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| Wie
wird HR-CT vom Radiologen beurteilt? |
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In den letzten
Jahren wurden die Kriterien einer normalen HR-CT der Lunge und krankhafter
Veränderungen des Lungengerüstes, der großen und
kleinen Luftwege und der Pleura exakt erarbeitet. Diese "Muster"
krankhafter Veränderungen bieten die Grundlage der Diagnose
und der Differentialdiagnose krankhafter Veränderungen. Die
Basiskriterien dieser "Muster" stellen netzförmige
und knötchenförmige Verschattungen sowie eine vermehrte
oder verminderte Dichte der Lunge dar (Abb.1 bis 3).
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Abb.
2: 63-jähriger Mann mit zunehmender Atemnot seit zwei
Monaten und 10 kg Gewichtsabnahme. a) Lungenröntgen: Diffuse
streifige und kleinknotige interstitielle Verschattung über
beiden Lungen. b) HR-CT. Verdickte inter- und intralobuläre
Septen in beiden Lungen. Diagnose: Krebsaussaat in den Lymphwegen
(Lymphangiosis carcinomatosa). Primärtumor: Magenkarzinom. |
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Abb.
3: 60-jähriger Mann mit langjähriger rheumatischer
Gelenksentzündung und Atemnot beim geringen Stiegensteigen.
a) Lungenröntgen: streifige Strukturvermehrung in beiden
Lungen. b) HR-CT: "Rheumalunge" mit Fibrose, Bronchiektasien
und Zysten. |
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| Wann
soll eine HR-CT der Lunge durchgeführt werden? |
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Lungengerüsterkrankungen,
wie z.B. Fibrose, können in der HR-CT erkannt werden, wenn
ein Lungenröntgen noch negativ ist. Die HR-CT verbessert bei
diffusen Gerüsterkrankungen die Genauigkeit der Diagnose und
kann in Einzelfällen, z.B. bei der Sarcoidose, spezifisch die
Diagnose stellen. In Einzelfällen kann dadurch eine Lungenbiopsie
vermieden werden. Ist eine solche aber notwendig, so ist die HR-CT
eine exzellente Methode, um die Biopsie zu repräsentativen
krankhaften Lungenbezirken zu leiten.
Bei Erkrankungen der Atemwege (z.B. Bronchiektasien, Abb. 1) ist
die HR-CT eine exakte Methode, um Ausmaß und Art der Veränderungen
darzustellen. Beim Emphysem erfasst die HR-CT ebenso das Ausmaß
und die Lokalisation bzw. die Verteilung der krankhaften Veränderungen.
Entzündungen der kleinen Luftwege und manche Formen der Vaskulitis
(Lungengefäßentzündung) haben ebenfalls sehr charakteristische
Veränderungen in der HR-CT, ebenso wie Lymphangiose (Abb. 2),
die Langerhans-Zell-Histiozytose und andere seltene Erkrankungen.
Ebenso werden manche Formen der Lungenentzündung mit HR-CT
früher und genauer erfasst als mit dem Lungenröntgen.
| Gesicherte
Indikationen zur Durchführung der HR-CT |
- Sämtliche
diffusen Lungenparenchymerkrankungen
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- Abklärung
diskrepanter Befunde (z.B. symptomatischer Patient, aber
unauffälliges Lungenröntgen)
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- Erkrankungen
der großen und kleinen Atemwege
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- Ursache
eines Spontanpneumothorax
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- Ergänzung
zu einer Spiral-CT des Thorax
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| Was
kann die HR-CT nicht, wann ist sie nicht indiziert? |
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Die HR-CT
erlaubt keine Beurteilung mediastinaler Gefäße oder mediastinaler
Lymphknoten und keine umfassende CT-Darstellung der Lunge. Fragestellungen
nach Lungenmetastasen, die Abklärung pulmonaler Rundherde,
Prozesse der Thoraxwand oder des Mediastinums sowie die Beurteilung
der Gefäße des Mediastinums und der Lunge sind daher
keine Indikationen zur Durchführung einer HR-CT.
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| Zusammenfassung |
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Zusammenfassend
steht mit der HR-CT eine exzellente detailgenaue bildgebende Diagnostik
bestimmter Lungen- und Atemwegserkrankungen zur Verfügung.
Sie ist aus dem diagnostischen Armamentarium neben Labor, Lungenfunktion,
Bronchoskopie und als Ergänzung des Thoraxröntgens in
zwei Ebenen nicht mehr wegzudenken. Ihre korrekte radiologische
Interpretation erfordert eine enge Kooperation zwischen Zuweisern
und Radiologen, da HR-CT erst in Zusammenschau mit Klinik, Anamnese
und allen anderen Befunden zu einer sinnvollen Differentialdiagnose,
häufig aber auch zu einer korrekten, spezifischen Diagnose
führen wird.
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Quelle: VBDO
Durchblick, Nr. 11, Juni 2001, S. 2 f. |
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