Neues Online-Bildarchiv

Der Verband für Bildgebende Diagnostik Österreich setzt neue Akzente in der extramuralen Medizin und baut mit seinen derzeit 76 Bilddiagnostikinstituten sukzessive ein österreichweites radiologisches Bildinformationssystem auf.

Keine Insellösungen mehr: Mit dem Aufbau des Bildinformationssystems nimmt der VBDO eine große finanzielle Bürde auf sich.

Keine Insellösungen mehr:
Mit dem Aufbau des Bildinformationssystems nimmt der VBDO eine große finanzielle Bürde auf sich.

Foto: TMC


In Spitälern speichert man bereits seit einigen Jahren CT- und MRT-Aufnahmen der Patienten digital ab. Damit sind alle Bilder auf jeder Station verfügbar und der behandelnde Arzt kann auch auf ältere Aufnahmen zurückgreifen. Die sich daraus ergebenden Vereinfachungen für die Verwaltung sind immens, denn ein händisch geführtes Archiv kann entfallen. Hierbei handelt es sich allerdings zumeist um "Insellösungen", welche dadurch gekennzeichnet sind, dass auf die digitalen Bilder von außen (von niedergelassen Ärzten, anderen Krankenanstalten etc.) nicht oder nur teilweise zugegriffen werden kann.

Der VBDO baut nun mit seinen Mitgliedern sukzessive ein österreichweites digitales Bildarchivierungssystem auf, wodurch auch auf ältere Aufnahmen zurückgegriffen werden kann. Im Alltag eines Radiologen ist es bislang oft nicht möglich, frühere Aufnahmen der entsprechenden Körperregion zu Vergleichszwecken heranzuziehen. Dies liegt insbesondere daran, dass Patienten diese Bilder zu Hause vergessen bzw. alte Bilder bereits weggeworfen haben. Dementsprechend kann der Radiologe Veränderungen über einen längeren Zeitraum nicht beurteilen. Dies mindert nicht selten die Qualität der Befundung.


Vorteile nutzen
  Die Mitgliedsinstitute des VBDO werden die Vorteile nun auch im extramuralen Bereich nutzen und bauen ab Dezember 2000 ein radiologisches Bildinformationssystem für ganz Österreich auf. Damit bietet der VBDO allen Zuweisern ein bis dato im außerspitalischen Bereich einmaliges Service an: Radiologische Aufnahmen stehen für Berechtigte in ganz Österreich via Internet-Technologie zur Verfügung. Mit der Einrichtung eines solchen Bilddatenspeichers wird die diagnostische Schnittstelle zwischen extra- und intramuralem Bereich optimiert. Für Patienten entfallen Wiederholungsuntersuchungen, weil Bilder zu Hause vergessen werden oder nicht mehr auffindbar sind.

Die für dieses digitale Bildarchivierungssystem anfallenden Kosten (für Server, Speicherplatz, Betrachtungseinheiten etc.) wollen die Institute u.a. dadurch einsparen, dass sie Patienten keine Filme mehr mitgeben, sondern stattdessen qualitativ hochwertige Papierausdrucke der Aufnahmen. Braucht ein Zuweiser ein Bild in höchster Qualität, kann er es im Bilddatenspeicher jederzeit kostenlos abrufen. Wünschenswert wäre es aus Sicht des VBDO, wenn die Krankenkassen die digitale Archivierung unterstützen würden. Schließlich resultiert aus dem Bildinformationssystem eine Qualitätssteigerung in der Bilddiagnostik und damit auch in der gesamten Medizin.


Keine Insellösungen: Der VBDO nimmt die große finanzielle Bürde auf sich
 

Das konventionelle Röntgen wird voraussichtlich flächendeckend innerhalb von rund zehn Jahren auf digital umgerüstet sein, sodass dann sämtliche radiologischen Aufnahmen im digitalen Bildarchiv zur Verfügung stehen werden. Derzeit bietet sich als technischer Partner die österreichische Firma Telemed Communications Services GmbH (TMC) an, eine Tochterfirma von Philips Medizinische Systeme Österreich. TMC betreibt derzeit zwei Hochverfügbarkeits-Rechenzentren und garantiert die zuverlässige Speicherung sowie die sichere Übertragung – bei Bedarf auch über die gesetzliche Aufbewahrungsfrist von zehn Jahren hinaus.

Zuweiser, die bis dato noch gar keine EDV-Ausstattung in ihrer Ordination haben, können zu besonders günstigen Konditionen verschiedene Computersysteme kaufen, leasen oder mieten. Das radiologisches Bildinformationssystem basiert auf der Internet-Technologie, sodass aufwendige Speziallösungen nicht erforderlich sind. Bessere handelsübliche Computer und eine ISDN-Leitung genügen. Beim Abruf von Bilddaten vom Server fallen lediglich die üblichen Online-Gebühren an. Weitere Informationen erhalten Sie beim VBDO unter der Telefonnummer 02742/341-122 oder per E-Mail an office@vbdo.at.


PET ist nicht immer ein Haustier

Unter "pet" liest man in Wörterbüchern Begriffe wie zahmes Tier, Schoßkind und Liebling. Für den Nuklearmediziner steht der Begriff seit Mitte der siebziger Jahre für eine der interessantesten Entwicklungen in der diagnostischen Bildgebung: die Positronen-Emissions-Tomographie (PET).

Nuklearmedizinische Verfahren suchen die biochemischen (funktionellen) Eigenschaften von Geweben und Organen durch die Gabe von radioaktiv markierten Substanzen ab (Tracer). Diese Substanzen werden in minimalen Stoffmengen in den Körper eingebracht. Ihre Verteilung und ihr Stoffwechsel wird mittels geeigneter Abbildungsverfahren dargestellt. Künstlich produzierte Radionuklide, wie Tc-99m, erlauben die Markierung einer Vielzahl von diagnostisch wertvollen Substanzen. Zur dreidimensionalen Abbildung dieser Tracer benötigt man spezielle Aufnahmegeräte (Gammakameras). Dieses Verfahren nennt man Single Photon Computed Tomography (SPECT).

 

 

Großer Vorteil für die Patienten
 

Die bisher verwendeten Radiodiagnostika sind aber im Allgemeinen körperfremd und haben zum Teil eine lange Verweildauer im Körper. Der Einsatz von neuen Radiopharmazeutika, die den im menschlichen Organismus vorhandenen Verbindungen sehr ähnlich sind, führt zu einer weiteren Verbesserung der nuklearmedizinischen Diagnostik. Für diese neuen Diagnostika eignen sich aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften nur positronenemittierende Isotope der Elemente Sauerstoff, Stickstoff, Kohlenstoff sowie Fluor. Nicht unwesentlich ist, dass diese Substanzen eine deutlich kürzere Verweildauer im Körper aufweisen als konventionelle Radiodiagnostika.

 

PET-Vollringscanner
 

Zur Abbildung dieser neuen Tracer-Generation benötigt man im Idealfall dedizierte PET-Vollringscanner. Zur Verfügung stehen zwei verschiedene Verfahren, mit denen SPECT-Kameras auch für die Abbildung vom Positronenstrahlern herangezogen werden können. Das eine Verfahren verwendet 511 keV Kollimatoren an konventionellen SPECT-fähigen Gammakameras, um sie "PET-fähig" zu machen, während ein anderes Verfahren überhaupt auf Kollimatoren verzichtet und über einen Upgrade Doppelkopf-SPECT-Systeme mit einer Koinzidenzschaltung ausstattet. Modifizierte Gammakameras, Hybridkameras und Teilring-PET-Scanner erlauben zwar prinzipiell ebenfalls die Abbildung von Positronenstrahlern, ihre Abbildungseigenschaften sind im Vergleich zu Vollringscannern jedoch schlechter und haben vor allem in onkologischen und neurologischen Fragestellungen eine eingeschränkte diagnostische Aussagekraft.

In der klinischen Routine hat sich derzeit insbesondere F-18 Flour-Deoxyglukose (FDG) bewährt. FDG wird über dieselben Kanäle wie Glukose in die Zelle aufgenommen und durch das Enzym Hexokinase phosphoryliert. Der weitere glykolytische Abbau ist jedoch blockiert, sodass sich aus der Tracer-Kumulation die Rate des Glukoseverbrauchs per Gramm Gewebe berechnen lässt.


Anwendungsbereiche
 

Die Hauptanwendungsgebiete sind derzeit die Onkologie, Kardiologie und Neurologie. In der Onkologie erlaubt die PET die Identifikation eines im Vergleich zu gutartigen Veränderungen gesteigerten Glukosestoffwechsels in vitalem Tumorgewebe und somit eine Differentialdiagnose zwischen Narbengewebe und Tumor. Die Quantifizierbarkeit der Ergebnisse erlaubt auch die frühzeitige Voraussage, ob eine Radio-Chemotherapie anspricht und kann somit im Einzelfall dem Patienten sinnlose weitere Therapiezyklen ersparen. In der Kardiologie kann die Indikation von Bypassoperationen besser abgeschätzt werden, in der Neurologie erweitert die FDG-PET die Epilepsie- und Demenzdiagnostik.

Während die PET bis vor etwa einem Jahrzehnt in erster Linie ein Forschungsinstrument darstellte, ist heute das "Clinical PET" fester Bestandteil der diagnostischen Bildgebung. Es hat sich gezeigt, dass der Einsatz von PET nicht nur zu einem verbesserten Patientenmanagement, sondern in der richtigen Indikation zu einer Kostensenkung in der medizinischen Routine führt.

 

Die Bedeutung der Computertomographie
bei der Abklärung von Lebererkrankungen
 

 

Von Ao. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schima, AKH Wien
Foto: Prominski

 

 

Die Spiral-Computertomographie (Spiral-CT) ist derzeit das Standardverfahren zum Nachweis oder Ausschluss tumoröser Veränderungen der Leber. Die CT ist zwar aufwendiger als die Sonographie und benötigt intravenös verabreichte Kontrastmittel. Im Gegensatz zur Sonographie bietet die CT jedoch eine höhere Genauigkeit und ist daher effektiver zur Planung chirurgischer Eingriffe und zur Verlaufskontrolle von Lebertumoren einsetzbar.


In den letzten Jahren wurden neue chirurgische und chemotherapeutische Therapien für Lebererkrankungen entwickelt, welche gestiegene Anforderungen an die radiologische Diagnostik stellen. Die Sonographie ist eine ausgezeichnete Methode in der Diagnose von Gallensteinen, hat allerdings technisch bedingt manchmal Schwächen beim Nachweis oder Ausschluss von Lebertumoren (z.B. durch mangelnde Vorbereitung des Patienten, bei Korpulenz des Patienten oder Vorliegen einer Leberverfettung).

 

Diagnose in zweimal 20 Sekunden
 

SDie CT ist durch die Entwicklung der Spiral-CT in den 90er Jahren mittlerweile imstande, die gesamte Leber eines Patienten während zwei Atemanhaltephasen von je ca. 20 Sekunden zu untersuchen. Es folgt die Bildauswertung, während der der Patient aber nicht mehr auf dem Untersuchungstisch liegen muss. Die dadurch erzielte Verkürzung der Untersuchungsdauer trägt zu einer Verbesserung des Patientenkomforts und der „Compliance“ bei. Zur optimierten Erkennbarkeit von Leberherden wird bei der CT ein jodhältiges Kontrastmittel intravenös verabreicht. Die Applikation dieses Kontrastmittels wird im Allgemeinen gut toleriert, es ist lediglich bei Vorliegen von Nierenoder Schilddrüsenerkrankungen Vorsicht geboten.

Mehr als 20 Prozent der Bevölkerung besitzen kleine, gutartige Lebertumore (z.B. Hämangiom, „Blutschwamm“), die keinerlei Risiko darstellen und auch nicht behandlungsbedürftig sind. Bedeutung erlangen Lebertumore erst, wenn sie zufällig im Rahmen einer Untersuchung entdeckt werden, die den Nachweis oder Ausschluss von Lebermetastasen zum Ziel hat. Mit der CT ist es sehr häufig möglich, diese gutartigen Raumforderungen von bösartigen, behandlungsbedürftigen Tumoren zu unterscheiden.

 

Bereits kleinste Lebertumore sichtbar
 

Durch die CT ist es heutzutage möglich, auch kleine Metastasen in der Leber nachzuweisen (Abb. 1). Dies ist bei vielen Tumorerkrankungen, wie dem Mammakarzinom, Bronchuskarzinom, Colonkarzinom etc. von großer Bedeutung, weil dadurch die Therapie maßgeblich beeinflusst wird. Bei Vorliegen multipler Lebermetastasen wird überlicherweise Chemotherapie eingesetzt, während einzelne Lebermetastasen reseziert werden können. Durch die genaue Abklärung mittels CT können so teure und unnötige Operationen vermieden werden.

Abb. 1: Unklarer Ultraschall-Befund bei einer Patientin nach Mammakarzinom. Die kontrastmittelverstärkte CT zeigt mehrere Metastasen in der Leber.

Die Leberzirrhose ist eine in den Industriestaaten weitverbreitete Erkrankung, welche der Volkswirtschaft große Kosten beschert. Eine häufige Komplikation der Leberzirrhose ist die Entstehung eines hepatozellülären Karzinoms, das lediglich im Frühstadium erfolgreich behandelt werden kann. Für den Ultraschall ist es häufig schwierig, hepatozelluläre Karzinome im Frühstadium zu erkennen. Die kontrastmittelverstärkte CT kann in einer aus vielen zirrhotischen Regeneratknoten aufgebauten Leber bereits kleine karzinomatös veränderte Knoten erkennen (Abb. 2).

Abb. 2: 65-jähriger Patient mit Leberzirrhose, Anstieg der Tumormarker. In der Sonographie wurde der Verdacht auf ein hepatozelluläres Karzinom im rechten Leberlappen geäußert, was sich in der CT bestätigt (kurzer Pfeil). Die CT zeigt noch einen weiteren kleinen Tumor im linken Leberlappen (langer Pfeil), was den Tumor inoperabel macht.

 

 

Ebenso lassen sich mit der CT auch inoperable, diffus beide Leberlappen durchsetzende Tumor nachweisen. So können von vornherein für den Patienten sinnlose Operationen vermieden werden.


Von der CT-Diagnose zur Therapie
 

Insbesondere nach Tropeneisen, aber auch als Folge von Gallensteinen können Leberabszesse auftreten (Abb. 3), die ein rasches Eingreifen erforderlich machen, da der Patient sonst an der Sepsis oder dem Leberversagen verstirbt. Mit der CT können auch schwerkranke Patienten untersucht werden, da die Spiral-CT die Untersuchungszeit gegenüber früher deutlich verkürzt hat. Es ist auch möglich, CT-gezielt von außen einen Drainagekatheter in den Abszess zu legen, was dem Patienten oft eine Operation erspart. Falls jedoch mehrere Abszesse vorhanden sind die CT-gezielt nicht drainiert werden können, so lässt sich anhand der CT-Bilder die operative Sanierung der Abszesse planen.

Abb. 3: 30-jährige Patientin, die septisch fiebert. Die CT zeigt eine Leberabszess als Folge einer eitrigen Cholangitis. Der Abszess wurde erfolgreich in der gleichen Sitzung drainiert.


 

Die Spiral-CT der Leber ist heute das Standardverfahren bei Verdacht auf Lebertumor oder Abszess. Die breite Verfügbarkeit der CT für alle stationären und ambulanten Patienten in Österreich hat in den letzten Jahren dazu beigetragen, bei vielen Patienten Lebertumore in einem früheren und damit noch heilbaren Stadium zu erkennen.

 

  Quelle: VBDO Durchblick, Nr. 9, Dezember 2000, S. 3.
   
 
   

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