Die Bedeutung der MRT in der Sporttraumatologie

Von Ao. Univ.-Prof. Dr. Reinhard Weinstabl

Aus Amerika kommend hat die Sporttraumatologie inzwischen auch bei uns Einzug gehalten. Dies ist um so wichtiger, weil dem Sport und vor allem seiner Ausübung in Europa immer mehr Bedeutung beikommt. Und damit steigt bekanntermaßen auch die Zahl der Verletzungen.

Verletzungsträchtige Sportarten, wie beispielsweise das In-Iine Skating, liegen im Trend. Daß damit auch der Druck auf eine optimale medizinische Versorgung steigt, hat vor allem zwei Gründe: Natürlich muss an erster Stelle die optimale Behandlung im Sinne des Patienten stehen. An zweiter Stelle folgt aber bereits die Minimierung des volkswirtschaftlichen Schadens, also die Minimierung von Krankenständen, Invaliditäten und Berufsunfähigkeiten. Dabei konnte an der Universitätsklinik für Unfallchirurgie in Wien anhand der Meniskusverletzungen nachgewiesen werden, dass eine auf den ersten Blick scheinbar teure Untersuchung wie die MRT Kosten sparen hilft und damit sogar vergleichsweise preiswert ist. So mussten wir feststellen, dass mit Zunahme der Genauigkeit in der Diagnose auch die Möglichkeit einer optimalen Behandlung steigt: Zum Wohle des Patienten und der Allgemeinheit.


"Behandlungsstraße" eines verletzten Sportler
  Vergegenwärtigen wir uns den Ablauf der "Behandlungsstraße" eines verletzten Sportlers: Anamnese und klinische Untersuchung bedingen noch keine Hilfestellung durch den Radiologen. In der Diagnostik ist jedoch die intensive Zusammenarbeit beider Fachrichtungen unerläßlich. Hier kommt der Magnetresonanz-Tomographie (MRT) eine immer größer werdende Bedeutung zu. Durch die Differenzierung der Ursache eines Schmerzes im Kniegelenksspalt, z.B. Knochenmarksödem oder Meniskusruptur, kann dem Patienten bei sehr ähnlicher oder gleicher klinischer Symptomatik durch die MRT eine Operation erspart werden. Dies ist nicht nur für den Patienten, sondern auch für die Behandlungskosten von nicht unerheblicher Bedeutung.

Die Hilfestellung in der OP-Indikation ist einer der wesentlichsten Punkte in der Zusammenarbeit von Chirurg und Radiologe. Immer genauere und ausgefeiltere Software-Pakete sowie Entwicklungen, wie z.B. "dynamische MRT" oder "3D-MRT" stellen dabei Möglichkeiten in der Beurteilung von Verletzungsmustern zur Verfügung, welche die Diagnosestellung und damit Behandlungsplanung wesentlich erleichtern.


MRT auch für die Therapie
  Aber auch in der Nachbehandlung nimmt die Bedeutung der MRT zu. Kontrolle von OP-Ergebnissen kann vor allem im Sport dem behandelnden Arzt die Kommunikation mit dem Sportler wesentlich erleichtern: Rehabilitationsplanung und Trainingsplanung abhängig vom visuell nachweisbaren Heilungsverlauf werden immer wichtiger. Auf diese Weise kann eine zu rasche Rückkehr zu eventuell zu starken Belastungen eingeschränkt werden.

Darüber hinaus darf auch die Qualitätskontrolle des OP-Ergebnisses nicht vernachlässigt werden. Dabei geht es nicht darum, den Chirurgen wegen einer eventuell schlecht durchgeführten Operation zu entlarven – dies mag vielleicht ein forensischer Nebeneffekt sein – sondern um eine exakte Beurteilung der Belastbarkeit der operierten Region zu ermöglichen. Damit schließt sich der Behandlungskreis und ein primär gesunder Mensch, der durch einen Unfall ein Behinderung erfahren hat, wird wieder gesund.


Fallbeispiele

Grad IV Läsion eines medialen Meniskus Grad IV Läsion eines medialen Meniskus bei einem 25-jährigen Fußballspieler. OP-Indikation. Teilresektion des Lappens ohne große Verletzung der Meniskusbasis. Volle Sportfähigkeit nach zwei Wochen.

Plantarfaszie Tennisprofessional mit therapieresistenten Schmerzen an der Region des Ansatzes der Plantarfaszie. Erstdiagnose: Plantarfasziitis – wochenlange physikalische Therapie. Wegen Therapieresistenz Vorstellung der Patientin. In der MRT zeigte sich die große runde Gewebsverdichtung im Fettgewebe. Intraoperativ konnte ein kleinfingerendgliedgroßes hartes Gewebsstück entfernt werden, vermutlich eine Narbenbildung nach einer Schwerverletzung. Nach Wundheilung Schmerzfreiheit der Patientin und Rückkehr zu uneingeschränktem Aktivitätslevel im Sport.

Riß in der Wade Plötzlicher Riß in der Wade während eines Tennismatches bei einem Tennisspieler. Gang nur unter starken Schmerzen möglich: Waden-Zangen-Test negativ. MRT zeigt Einblutung in den Muskel am Übergang vom sehnigen zum muskulären Anteil des lateralen Gastrocnemiuskopfes. Diagnose: Muskelfaserriß. Nach entsprechender Ausheilung beschwerdefreie Rückkehr zu vollem Aktivitätslevel.


Literatur
U. Largiader/M. Nufer/Th. Hotz/K. Käch
Teure Trendsportart In-line Skating: Alarmierende Zahlen aus einem Schweizer Zentrum. Deutsch. Zeitschr. f. Sportmed. 49, 4, 119-123, (1998).
R. Weinstabl/Th. Müllner/V. Veesei/F. Kainberger/ M.Kramer
Economie Considerations for the Diagnosis and Therapy of Meniscal Lesions: Can Magnetic Resonance Imaging Help Reduce the Expence? World J. Surg. 21, 363-368, (1997).


Quelle: VBDO Durchblick, Nr. 1, Juli 1998, S. 3.

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